Petra Ernstberger spricht über die "Mütter des Grundgesetzes"

VON DER SPEISEKAMMER IN DEN BUNDESTAG
Eine Ausstellung informiert über den Kampf für Gleichberechtigung.



Die Ausstellung "Mütter des Grundgesetzes" stößt auf Interesse. Foto: Henkel
"Frauen und Männer sind gleichberechtigt." So heißt es im Artikel 3, Absatz 2, des Grundgesetzes. Für die SPD-Politikerin Petra Ernstberger gilt: "Das sind fünf Worte, die eindeutig und klar sind. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Aber es hat lange gedauert, bis es so weit war. Und es hat des Einsatzes einiger engagierter Frauen bedurft, damit das ins Grundgesetz aufgenommen wurde." Im Rahmen der "Langen Nacht der Demokratie" in Selb referierte die frühere Bundestagsabgeordnete im FAM zum Thema "Mütter des Grundgesetzes". Eine ansprechend gestaltete Ausstellung informierte darüber hinaus zum Thema.
Im verfassungsgebenden Rat ging dieser wichtige Satz mit großer Mehrheit durch, obwohl dort 65 Männer und nur diese vier Frauen mitwirkten, über die Ernstberger und die Ausstellung am Samstag informierten: Frieda Nadig (1897 bis 1970; SPD), Dr. Elisabeth Seibert (1896 bis 1986; SPD), Helene Weber (1881 bis 1962; Zentrum, später CDU und Frauen-Union) und Helene Wessel (1898 bis 1989; SPD). Emstberger begrüßte die Initiative der "Langen Nacht der Demokratie": "Die Demokratie wird derzeit angegriffen. Angst und Unsicherheit werden geschürt. Demokratie braucht aber Vertrauen."
Die Sozialdemokratin spannte den Bogen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. "Geboren wurden diese Mütter des Grundgesetzes in einer schneidigen und strammen
'Männerzeit'. Frauen hatten den 'Beruf, repräsentative Gattinnen zu sein. Sie durften keinem Broterwerb nachgehen und hatten kein eigenes Geld, dafür aber die Schlüsselgewalt über
die Speisekammer."
In ihrer Jugend hätten diese politisch aktiven Frauen die Auswirkungen der Industrialisierung ertebt. "Alkohol war damals billiger als Wasser, Gewalt und Armut waren an der Tagesordnung. Aber es kam auch zum Bau von Sportstätten für Frauen, einen Mobilitätszuwachs gab es für Frauen durch das Radfahren. Politisch ertebten diese jungen Mädchen und Frauen das Erstarken der SPD als Partei und der Gewerkschaften und Massenverbände, die wachsende Bedeutung der Presse und der Aufstieg der Arbeiterschaft bis hin zur Herausbildung einer Mittelschicht, aber auch die Radikalisierung nach rechts und links." Politisch habe sich in der Zeit einiges getan für die Frauen, berichtete Ernstberger. Es habe einen gewissen "Frühling der Demokratie in der Weimarer Repubiik" gegeben. 1918 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. 1922 wurden erstmals Frauen als Richterinnen zugelassen. Doch sie schränkte ein: "Frauen in der Politik hatten sich um 'Frauenprobleme' zu kümmern, Ober die wichtigen politischen Dinge sollten sie nicht mit entscheiden."
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg brachten fundamentale Veränderungen mit sich. "Der Führerstaat ersetzte die Bürgerrechte, der Staat wurde von oben nach unten organisiert. Frieda Nadig und Helene Weber wurden als missliebige Personen entlassen. Der Krieg brachte Bomben, Hunger und Not. Das Mutterbild wurde zum Frauenbild schlechthin, Frauen wurden aus qualifizierten Berufen gedrängt. Nach dem Krieg konnten diese engagierten Frauen ihre politische Laufbahn aber fortsetzen." Frieda Nadig wurde in den neuen Deutschen Bundestag gewählt, Elisabeth Seibert in den Hessischen Landtag, Helene Weber erkämpfte sich zuerst einen Sitz im Landtag von Nordrhein-Westfalen, später zog sie in den Bundestag ein. Helene Wessel war die erste Vorsitzende einer Partei in Deutschland, und zwar der Zentrumspartei. Wegen der Wiederbewaffnung vertieß sie die Partei und schloss sich schließlich der SPD an.
Alle vier setzten sich für wichtige Fragen ein, wie die frühere SPD-Abgeordnete dartegte. So etwa die Gleichstellung ehelicher und unehelicher Kinder, die Lohngleichheit oder den Schutz von Ehe und Familie. "Sie schafften es, die Öffentlichkeit zu mobilisieren und zu überzeugen", so Petra Ernstberger vor etlichen Zuhörern
Ernstberger fragte abschließend nach dem Erbe dieser "Mütter des Grundgesetzes". Sie hielt fest: "Frauenrechte muss man sich immer wieder erarbeiten. Frauen brauchen besondere Förderung. Und die Demokratie selbst ist nicht gottgegeben. Wir müssen alle dafür eintreten, sie immer wieder zu erkämpfen und zu bewahren " Das sei langwierig, mühsam und
erfordere Kompromisse. "Umso wichtiger ist Bildung, damit die Menschen sich in der Demokratie zurechtfinden. Und wir dürfen stolz sein auf unser Grundgesetz, das wir auch diesen Frauen verdanken", schloss die Politikerin. 


Autor: Jürgen Henkel


Veröffentlicht am: 17. 09. 2018 16:42 Uhr
Aktualisiert am: 17.09.2018 16:47 Uhr
Quelle.
www.frankenpost.de
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